Rückblick 3. Quartal 2025
Im dritten Quartal 2025 blieb die Inflation im Euroraum ein zentrales Thema. Laut Eurostat lag sie im September bei 2,2% (Juli/August: 2,0%). Energiepreise blieben leicht im Minus, während Lebensmittelpreise auf 3,1% stiegen. Die Kerninflation, also die Inflation ohne Nahrungsmittel und Energiepreise, verharrte stabil bei 2,3%. Die EZB beließ den Einlagenzins bei 2,0% und erklärte den Disinflationsprozess für abgeschlossen. Unter einer Disinflation wird die Abschwächung der Teuerung verstanden, aber nicht das Sinken des Preisniveaus. In Deutschland stagnierte die Wirtschaft: Nach einer Aufwärtsrevision für das erste Quartal (+0,3%) sank das BIP im zweiten um 0,3%. Die Eurozone zeigte sich etwas robuster mit +0,1%. Trotz geopolitischer Unsicherheiten – Ukrainekrieg, US-Politik und Spannungen im Nahen Osten – stiegen die Renditen europäischer Staatsanleihen. Frankreich schwächte sich deutlich ab, während Italien, Spanien, Portugal und Griechenland ihre Spreads einengen konnten.
In den USA fiel das Bild gemischt aus: Am 4. Juli feierte Präsident Trump die überraschend reibungslose Verabschiedung seines „One Big Beautiful Bill“, während die erhoffte Wiederaufnahme der Zollgespräche kaum Fortschritte brachte. Im August belasteten steigende Preise und geopolitische Spannungen die Stimmung. Die US-Notenbank senkte im September den Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,00–4,25%, um die Konjunktur zu stützen. Das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal überraschte positiv, der Arbeitsmarkt verlor jedoch an Dynamik. Anleiherenditen schwankten stark, schlossen aber stichtagsbezogen niedriger. Unternehmensanleihen blieben nachgefragt, die Risikoaufschläge erreichten Jahrestiefs, und das hohe Emissionsvolumen im September zeigte das anhaltend starke Investoreninteresse.
Auch in Europa blieb das Marktumfeld für Unternehmensanleihen günstig. Trotz hoher Emissionstätigkeit sanken die Risikoaufschläge weiter. Starke Nachfrage traf auf ein begrenztes Angebot, sodass neue Anleihen häufig ohne Aufschlag platziert werden konnten. Kurzfristige Volatilität durch politische Unsicherheit in Frankreich wurde rasch überwunden. Die Fundamentaldaten blieben solide, die Unternehmensverschuldung stabil und das Ausfallrisiko gering. Die US-Zinssenkung im September 2025 verbesserte die Refinanzierungsaussichten, und Europa entwickelte sich leicht besser als die USA. Gestützt durch fiskalische Impulse blieb der Markt jedoch mit engen Spreads und hohen Bewertungen anfällig für politische Risiken.
Schwellenländeranleihen zeigten erneut eine beeindruckende Widerstandskraft. Getragen von soliden Wachstumsaussichten, Fortschritten bei der Haushaltskonsolidierung und der Aussicht auf niedrigere US-Zinsen erzielten viele Länder starke Ergebnisse. Besonders positiv fielen Argentinien nach Reformen, Mexiko mit robusten Staats- und Pemex-Anleihen sowie Brasilien und Südafrika mit hohen Realzinsen auf. Auch viele lokale Märkte profitierten vom schwächeren US-Dollar. Trotz hoher Bewertungen blieben Schwellenländeranleihen attraktiv im Vergleich zu anderen Segmenten, insbesondere zu US-Unternehmensanleihen.
Ausblick – Rentenmärkte
Im Euroraum liegt die Inflation mit 2,2% im Zielbereich, doch ein starker Euro, niedrige Energiepreise und Unsicherheit über mögliche Zölle dämpfen die Erwartungen. Das Wachstum bleibt verhalten, könnte sich jedoch durch fiskalische Impulse (Konjunkturprogramme) im Laufe von 2026 beleben. Die EZB hat den Disinflationsprozess für abgeschlossen erklärt und dürfte die Leitzinsen nicht weiter senken. Die Renditen europäischer Staatsanleihen tendieren leicht steigend, gestützt durch eine robustere Konjunktur im Süden Europas, während Frankreich weiterhin schwächer abschneidet. Insgesamt bleibt das Umfeld stabil, aber anfällig für geopolitische Risiken.
In den USA zeigen sich weiter Anzeichen steigender Preise infolge der Zölle. Die Kerninflation liegt bei rund 3,7%, während die Wirtschaft unter Potenzial wächst. Der Konsum verliert an Dynamik, bleibt aber stabil, und der Arbeitsmarkt zeigt Schwächetendenzen. Die US-Notenbank dürfte ihre Zinssenkungen vorsichtig fortsetzen, um die Konjunktur zu stützen. Staatsanleiherenditen könnten stärker auf Arbeitsmarktdaten reagieren und sich zunächst weiter verflachen, bevor sie wieder ansteigen. Unternehmensanleihen handeln auf sehr engen Spreads – sie dürften gut unterstützt bleiben, solange die Nachfrage anhält, auch wenn Bewertungen wenig Puffer bieten. Der Markt bleibt damit „zu teuer, um aggressiv zu kaufen, aber zu stabil, um abzubauen“. Anleger dürften auf Qualität und auf Anleihen mit kurzen Restlaufzeiten setzen.
Die Risikoaufschläge europäischer Unternehmensanleihen dürften im vierten Quartal 2025 weitgehend stabil bleiben. Die Nachfrage bleibt hoch, während das Angebot begrenzt ist. Kurzfristig könnte es im Oktober saisonal zu einem leichten Anstieg der Risikoaufschläge kommen, bevor sich die Renditeaufschläge zum Jahresende wieder einengen dürften. Fundamentaldaten und Verschuldungsniveaus bleiben vermutlich solide, sinkende Zinskosten, unterstützt durch die expansive Geldpolitik der Notenbanken, wirken unterstützend. Geopolitische Risiken und das Ende des EZB-Lockerungszyklus könnten jedoch für begrenzte Schwankungen sorgen. Eine neutrale Risikohaltung erscheint angebracht, mit Fokus auflaufende Erträge („Carry“) und selektive Chancen in den Sektoren Banken, Versorger sowie Öl & Gas. Sollten die Risikoaufschläge im Herbst steigen, könnten sich attraktive Einstiegsgelegenheiten in höher bewerteten Anleihen ergeben.
Schwellenländeranleihen bleiben trotz gestiegener Bewertungen attraktiv. Das Wachstum liegt rund 2,5% über dem der Industrieländer. Besonders stark entwickeln sich die ASEAN-, Nahost- und afrikanischen Märkte, während Lateinamerika und Osteuropa moderater wachsen. Strukturreformen – etwa in Oman und Marokko – unterstützen das Wachstum zusätzlich. In China dürfte sich die Konjunktur im zweiten Halbjahr abschwächen, doch staatliche Maßnahmen könnten gegensteuern. Der schwächere US-Dollar fördert Kapitalzuflüsse und stützt die Anlageklasse insgesamt. Die fundamentale Stärke und die im Vergleich attraktiven Renditen sprechen für eine weiter positive, wenn auch selektive Positionierung.