Fokus-Thema:
Der Brexit-Countdown – Interview mit Stefan Amenda

Für Theresa May sind Abstimmungen im britischen Unterhaus derzeit kein Vergnügen. Zuletzt musste sie eine herbe Niederlage einstecken, als das Parlament den mit der EU ausgehandelten Brexit-Deal einfach durchfallen ließ. Im Anschluss hatte die oppositionelle Labour Partei ein Misstrauensvotum gegen die Premierministerin eingebracht – immerhin das hat May überstanden.

Herr Amenda, wie ging es weiter? 

Am 21. Januar hatte Theresa May ihren sogenannten „Plan B“ vorgelegt. Der erwies sich allerdings als Luftnummer, weil sie auf Nachverhandlungen setzte. Dabei war klar, dass sich die EU nicht darauf einlassen würde. Ob es bis Ende März zu einer Vereinbarung kommt, erscheint mehr als zweifelhaft. Kosmetische Nachbesserungen des bisherigen Deals dürften jedenfalls nicht ausreichen.

 

Könnte es auch zu einem Brexit ohne Vereinbarung kommen?

Ausgeschlossen ist das nicht. Niemand kann allerdings Interesse an einem ungeordneten Austritt haben: Großbritannien nicht und die Europäische Union auch nicht. Daher wird eine Verlängerung der zweijährigen Verhandlungsfrist immer wahrscheinlicher. Denn bis zum 29. März ist nicht mehr viel Zeit.

Die öffentliche Meinung scheint ja umgeschlagen zu haben. Mittlerweile soll das Lager der Brexit-Gegner eine komfortable Mehrheit aufweisen?

Angesichts des engen Termins bis Ende März sollte der Fokus nicht auf einem erneuten Referendum liegen, sondern auf dem Umgang mit dieser Frist. Ist dieser Schritt getan, wird man weitersehen müssen.

Was ist der tiefere Grund der Unzufriedenheit über eine Mitgliedschaft Großbritanniens in der Europäischen Union?

Wie in anderen europäischen Ländern auch, gab es in Großbritannien ein weit verbreitetes Gefühl des Autonomieverlustes und Vorbehalte gegen den Zuzug von Migranten. Aus Sicht der Brexit-Befürworter hat die Europäische Union keine überzeugende Lösung für diese Herausforderungen.

 

Deutschland würde in der wirtschaftspolitischen Haltung einen wichtigen Verbündeten in der EU verlieren.

Stefan Amenda, Leiter Multi-Asset

Was bedeutet der Austritt Großbritanniens in politischer Hinsicht?

Vor allem Deutschland hat ein hohes Interesse an einem Verbleib Großbritanniens in der EU. Großbritannien ist Nettozahler, Deutschland wird ohne Großbritannien künftig finanziell stärker zur EU beitragen müssen. Großbritannien zählt auch zu den eher wirtschaftsliberalen und haushaltspolitisch disziplinierten Ländern in der EU. Deutschland würde in der wirtschaftspolitischen Haltung einen wichtigen Verbündeten in der EU verlieren.

 

 

Welche Auswirkungen hat der Brexit auf die Kapitalmärkte?

Mit Blick auf Großbritannien rechnen wir bis Jahresende mit einem stärkeren Pfund, höheren Renditen für zehnjährige britische Staatsanleihen und steigenden Aktienkursen.

 

 

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